Bewusstsein über Ideologievermittlung in Büchern

Das lasen wir in der DDR

Bewusstsein über Ideologievermittlung in Büchern

Beitragvon Bücherwurm » Mo 29. Sep 2014, 15:54

Hallo :)
ich schreibe im Moment meine Seminararbeit zum Thema "Kinderliteratur in der DDR". Ich bin schon so gut wie fertig und es war sehr interessant, was ich alles herausgefunden habe. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Bücher voller Ideale und Ideologien waren! Da stellt sich mir die Frage, ob sich die Bevölkerung überhaupt bewusst über diese "hinterlistige" Idealvermittlung war. Ich würde mich sehr freuen, wenn das hier jemand liest, der mir zu diesem Thema etwas erzählen kann! :)

Ich hab bereits mit jemandem gesprochen, der mir gesagt hat: "Ich denke, dass sich die meisten Bürger bewusst darüber waren, dass die Literatur vor allem dem Zwecke gedient hat, die Ideale der Regierung zu verbreiten und somit die Bevölkerung möglichst früh zu manipulieren. Es mag manche gegeben haben, die Literatur völlig unreflektiert hingenommen haben, aber den meisten wird es klar gewesen sein, wo da der Wind geweht hat." Könnt ihr da zustimmen?

Vor allem interessiere ich mich für die Kinderliteratur, freue mich aber auch über andere Beiträge.
Und noch eine Frage: Hat jemand mitbekommen, dass sich jemand mit Protesten ect. dagegen gewehrt hat oder hat man überhaupt über diese Idealvermittlung gesprochen? (Mit Freunden, Familie, in der Schule, ...?)

Vielen herzlichen Dank schon einmal fürs antworten :)
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Re: Bewusstsein über Ideologievermittlung in Büchern

Beitragvon Freddie » Di 30. Sep 2014, 09:11

Ich denke die meisten Menschen wussten das in der Literatur bzw. Kinderliteratur über ideologische Vorgaben herrschten.
Darüber wurde auch in den Schulen geredet. Das heißt, es wurde nichts verheimlicht.
Ich weigere mich deswegen zu sagen, das wir manipuliert wurden. Es hat auch nicht mit hinterlistig zu tun.
Was ist hinterlistig in Kinderbüchern? Das vermittelt wird freundlich,hilfsbereit und zuvorkommend zu sein!
Ich kenne kein Kinderbuch wo in der Handlung politischer Drill oder ähnliches zu erkennen ist.
Wobei ich politische Ideale als Weltanschauung nicht ausschließen möchte. Bild
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Re: Bewusstsein über Ideologievermittlung in Büchern

Beitragvon Sternenschauer » Mi 1. Okt 2014, 09:11

Ich fand da auch nichts hinterlistiges dran. Was mir z.B. bei vielen Büchern sogar positiv auffiel war, das die Frau nicht in die Küche gedrängt wurde, sondern auch arbeiten war. Das hatte man in vielen Westbüchern nicht. Da blieb Mutti brav in der Küche und die Tochter spielte natürlich nur mit Puppen.
Und nimm mal ein christliches Kinderbuch zum Vorbild. Natürlich wird Jesus dort auch idealisiert. Wenn du das mit einem Robin Hood Buch oder einem Lenin Buch für Kinder vergleichst, ist das im Grunde nix anderes. Da wird immer einer als der Held dargestellt. Das haben Kinderbücher eben gemein, das es meist einen Guten und einen Bösen gibt.
Das Buch "Die verlorene Zeit" fand ich z.B. gar nicht Ideologie beeinflussend, im Gegenteil. Da geht es um Kinder, die ihre Zeit verschwenden, nicht vernünftig lernen ect. Dann kommen Zauberer und stehlen ihnen die Zeit. Sie sind plötzlich alt und müssen drum kämpfen ihre Zeit zurückzubekommen (Zusammenhalt). Moral von der Geschichte: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Kein Wort über Marxismus. Genau wie das Buch "Die Uhr". Das beschreibt den Tagesablauf einer Familie und dabei können die Kinder die Uhr lernen. Same here (und noch nicht mal eine Lenin Statue im Park :-( ). Die einzigen Kinderbücher, in denen Lenin als Held auftritt, sind eben die, die von Lenin handeln. ;) Wie ich oben schon sagte, das ist dasselbe wie bei einem "normalen" Heldenbuch.
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Re: Bewusstsein über Ideologievermittlung in Büchern

Beitragvon Bücherwurm » Do 2. Okt 2014, 07:33

Vielen Dank für die Antworten!
Es ist sehr interessant, wie ihr die Bücher in Erinnerung behalten habt. Ich habe das Kinderbuch "salvi Fünf" von Willi Meinck analysiert und dort eine Vielzahl an Ideologien gefunden. Allein die Geschichte stellt die DDR als (Zitat) "das Land der glücklichen kinder" dar. Es geht um einen 10 jährigem Italiener, der von zuhause wegläuft um dieses Land zu finden. Er schafft es bis in die DDR und landet dort in einem Pionierferienlager. Dort gefällt es ihm so gut, dass er am liebsten nie wieder wegmöchte.
Auf fast jeder Seite wurde gesagt, wie toll die DDR ist und auch politische Aspekte, wie das Lob des Kollektivismus.
Höchst wahrscheinlich habe ich eins von wenigen Büchern dieser Art gefunden...
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Re: Bewusstsein über Ideologievermittlung in Büchern

Beitragvon Freddie » Mo 6. Okt 2014, 07:36

Tja, Außnahmen bestätigen die Regel!
Dieses Buch kenne ich nicht einmal. Aber wenn es dann so ein Buch gibt sagt es ja noch nichts über die Allgemeinheit der Kinderliteratur aus. Bild
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