DDR Chronik von 1949 - 1990

1989

{ PERMANENT_LINK }Geschrieben von admin am Do 23. Jan 2014, 18:35


DDR-Chronik - Das Jahr 1989

Ein Arbeitsausschuss zur Gründung eines Freidenkerverbandes in der DDR bildet sich am 13. Januar.

Am 15. Januar demonstrieren über 500 Menschen auf dem Leipziger Marktplatz für Meinungsfreiheit. Auf dem KSZE-Folgetreffen in Wien protestieren der bundesdeutsche und der US-amerikanische Außenminister gegen die Inhaftierungen einiger, die diese Demonstration vorbereitet hatten.[2]

Am 2. Mai öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich. In der Folge versuchen Hunderte von DDR-Bürgern über Ungarn in den Westen zu gelangen. Gleichzeitig begeben sich viele in die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau, um an westdeutsche Reisepapiere zu gelangen.

Bei Kommunalwahlen am 7. Mai wird durch Kontrollen von Bürgerrechtsgruppen erstmals Wahlbetrug nachgewiesen. Erich Honecker nennt das offizielle Ergebnis (98,85 Prozent der Stimmen auf die Kandidaten der „Nationalen Front“) „ein eindrucksvolles Bekenntnis zu der auf Frieden und Sozialismus gerichteten Politik der SED“ [3].

Der Staatspräsident der UdSSR Gorbatschow lehnt entgegen sowjetischer Zusagen zur Unterstützung der DDR in Krisen am 6. Juli eine Intervention von sowjetischen Truppen zur Abwendung von Unruhen in der DDR ab. Die DDR verliert damit ihre Existenzgarantie.

In Ost-Berlin, Warschau, Prag und Budapest versuchen um den 31. Juli Tausende von DDR-Bürgern, durch die Erstürmung der Botschaften der Bundesrepublik ihre Ausreise zu erzwingen.

Bei dem so genannten „Paneuropäischen Picknick“ am 19. August nutzen etwa 600 DDR-Bürger die offene ungarisch-österreichische Grenze zur Flucht in den Westen.

Am 4. September findet in Leipzig die erste Montagsdemonstration statt, bei der etwa 1.200 Demonstranten für Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit demonstrieren.

Die Bürgerbewegung Neues Forum veröffentlicht am 10. September ihren Gründungsaufruf.

10. September: Csilla von Boeselager übersetzt die Rede des ungarischen Außenministers Gyula Horn: die DDR-Flüchtlinge können ausreisen. Fast einen Monat lang hatten ca. 30.000 Flüchtlinge in von C. von Boeselager organisierten Zeltlagern in Budapest ausgeharrt.

Ab dem 11. September gewährt Ungarn DDR-Flüchtlingen die Ausreise nach Österreich. In der DDR bilden sich nach dem Neuen Forum weitere Bürgerbewegungen: Demokratie Jetzt (12. September), die Sozialdemokratische Partei in der DDR (7. Oktober) und Demokratischer Aufbruch (2. Oktober).

Am 18. September unterstützen prominente Rockmusiker in einem Aufruf die Gründung des Neuen Forum, das am darauf folgenden Tag einen Antrag auf Zulassung als politische Vereinigung gemäß Artikel 29 der Verfassung stellt.

Tausenden von DDR-Flüchtlingen in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau wird am 30. September erlaubt, in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen. Der bundesdeutscheAußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet am Abend auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag dieses Verhandlungsergebnis.

Die Leipziger Montagsdemonstration am 2. Oktober mit etwa 20.000 Teilnehmer wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst. Als am 4. Oktober etwa 7.600 DDR-Flüchtlinge, die in der Prager und in der Warschauer Botschaft Zuflucht gesucht hatten, mit der Bahn über abgesperrte Bahnstrecken der DDR in die Bundesrepublik reisen, kommt es am Dresdner Hauptbahnhof zu den schwersten Auseinandersetzungen von demonstrierenden Bürgern mit DDR-Sicherheitskräften seit dem 17. Juni 1953.

Bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober mahnt der sowjetische Staatschef Gorbatschow die DDR-Führung zu politischen Reformen. Am Rande der Feiern demonstrieren zehntausende Menschen für eine demokratische Erneuerung des Sozialismus, Volkspolizei und Stasi reagieren mit Prügelorgien und Massen-Verhaftungen.

Am 9. Oktober findet in Leipzig die Montagsdemonstration mit etwa 70.000 Teilnehmern statt. Zum ersten Mal kann man den Slogan „Wir sind das Volk“ hören. Es kommt nicht, wie befürchtet, zu bewaffneten Gegenmaßnahmen von Seiten des Staates, obwohl NVA-Truppen und Polizei verstärkt und in Bereitschaft versetzt sind und eine erhöhte Zahl Blutkonserven in den Krankenhäusern bereitsteht. Eine Woche später sind 100.000 bis 120.000 Demonstranten in den Leipziger Straßen. Honeckers Befehl, schonungslos gegen die Demonstranten vorzugehen, wird von der Leipziger SED-Führung nicht befolgt. Kurt Masur und andere rufen zu friedlicher Mäßigung auf, die UdSSR verweigert die Teilnahme an einer eventuellen militärischen Niederschlagung der Demonstration. Letztendlich bleibt es friedlich.

Erich Honecker erklärt am 18. Oktober den Rücktritt von allen seinen Ämtern. Egon Krenz wird zum neuen Generalsekretär des Zentralkomitees der SED gewählt und prägt in seiner Antrittsrede den Begriff Wende.

Bei der Leipziger Montagsdemonstration am 23. Oktober skandieren etwa 300.000 Menschen: Wir sind das Volk.

Am 24. Oktober tritt die Volkskammer zu ihrer 10. Tagung zusammen. Die Abgeordneten stimmen einmütig dem Antrag zu, Erich Honecker „auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen“ von seinen Funktionen zu entbinden. Der Volkskammerpräsident Horst Sindermann zollt Honecker Anerkennung: „Wir lassen die menschliche Größe des Revolutionärs und die kommunistische Anständigkeit unseres Genossen Honecker nicht antasten.“ Egon Krenz wird zum Vorsitzenden des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates gewählt.

Am 3. November erlaubt die Führung der DDR erstmals die Ausreise von DDR-Bürgern aus der ČSSR in die Bundesrepublik.

Am 4. November findet die größte Demonstration der deutschen Nachkriegsgeschichte mit knapp einer Million Teilnehmern auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin statt. Legal angemeldet von Künstlerinnen und Künstlern fordern die Demonstranten und die Redner Meinungsfreiheit, eine Demokratisierung der DDR sowie ein Ende des Führungsanspruches der SED. Unter den Rednern sind neben Künstlern wie Christa Wolf, Ulrich Mühe und Steffie Spiraund Repräsentanten der neuen Bürgerbewegungen wie Marianne Birthler, Jens Reich und Friedrich Schorlemmer auch SED-Vertreter, darunter Günter Schabowski und Markus Wolf, die aber ausgebuht die Bühne verlassen.

Am 7. und 8. November treten der Vorsitzende des Ministerrates, Willi Stoph und das gesamte Politbüro der SED zurück.

Von Januar bis November dieses Jahres sind insgesamt etwa 225.000 DDR-Bürger in die Bundesrepublik ausgereist.

Am 9. November verliest Günter Schabowski vor laufenden Kameras, dass sofort und unverzüglich Privatreisen nach dem Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen wie Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse beantragt werden könnten. Die Genehmigungen würden kurzfristig erteilt. Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur Bundesrepublik erfolgen. Tausende eilen an die Grenzen. Ohne Befehl öffnen Grenzsoldaten die Übergänge der Berliner Mauer und der Grenze zur Bundesrepublik.

Hans Modrow, bis dahin Chef des SED-Parteibezirks Dresden, wird von der Volkskammer am 13. November zum neuen Ministerpräsidenten der DDR gewählt.

KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow nennt am 15. November die Wiedervereinigung Deutschlands eine „innerdeutsche Angelegenheit“ und macht damit klar, dass die Sowjetunion eine solche Wiedervereinigung akzeptieren würde.

Am 1. Dezember wird der Führungsanspruch der SED von der Volkskammer offiziell aus der Verfassung der DDR gestrichen. Die Staatsanwaltschaft leitet gegen sechs ehemalige Funktionäre der SED Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauch und Korruption ein, unter anderem gegen Erich Honecker.

Egon Krenz tritt am 3. Dezember als Vorsitzender der SED und am 6. Dezember als Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates zurück. Neues Staatsoberhaupt wirdManfred Gerlach (LDPD). Auf Vorschlag des Politbüros beschließt das Zentralkomitee der SED, Hans Albrecht, Erich Honecker, Werner Krolikowski, Günther Kleiber, Erich Mielke, Gerhard Müller, Alexander Schalck-Golodkowski, Horst Sindermann, Willi Stoph, Harry Tisch, Herbert Ziegenhahn und Dieter Müller aus dem Zentralkomitee auszuschließen. „Auf Grund der Schwere ihrer Verstöße gegen das Statut der SED“ werden sie auch aus der Partei ausgeschlossen.

Am 3. Dezember gründen die Teilnehmerinnen eines Frauenkongresses in der Berliner Volksbühne den Unabhängigen Frauenverband (UFV).

Der zentrale Runde Tisch in Berlin tagt das erste Mal am 7. Dezember.

Am 9. Dezember wird Gregor Gysi auf einem Sonderparteitag der SED zu ihrem Vorsitzenden gewählt.

Auf der Leipziger Montagsdemonstration rufen die ersten Demonstranten den Slogan „Wir sind e i n Volk“ und „Deutschland einig Vaterland“.[5]

Die SED gibt sich am 16. Dezember den Namenszusatz PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus). Am selben Tag beschließt derDemokratische Aufbruch seine offizielle Gründung.

Am 22. Dezember wird das Brandenburger Tor geöffnet.

Am 24. Dezember dürfen auch Bundesbürger das erste Mal ohne Visum und Mindestumtausch („Zwangsumtausch“) in die DDR einreisen.

Im Jahr 1989 sind insgesamt 343.854 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt. 1988 waren es noch 39.832.


Quelle: wikipedia.de
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

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Losung zum 40. Jahrestag der DDR
Foto: Gérard at the French language Wikipedia


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Ehrentribüne zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung am 7. Oktober
Bundesarchiv, Bild 183-1989-1007-402 / Franke, Klaus / CC-BY-SA


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Demonstranten auf dem Alexanderplatz während der Abschlusskundgebung am 4. November 1989
Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-437 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA


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Die Pressekonferenz am 9. November
Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, informierte im Internationalen Pressezentrum über Verlauf und Ergebnisse des zweiten Beratungstages des 10. Plenums des ZK der SED. Günter Schabowski stand den in- und ausländischen Journalisten Rede und Antwort.
Bundesarchiv, Bild 183-1989-1109-030 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA
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