Untertauchen in der DDR?

Untertauchen in der DDR?

Beitragvon hauman » Fr 4. Okt 2013, 17:39

Hallo, ich bin ein Wessi, 60 Jahre alt, kenne also die DDR noch aus
eigener Anschauung, wenngleich ich das meiste doch nur oberflächlich
mitbekommen habe. Was ich mich immer gefragt habe: Hätte es eigentlich
in der DDR die Chance gegeben, "unterzutauchen". Ich schaue mir gerade
alte Polizeirufe 110 an, da finde ich die dargestellten Verbrechen
eigentlich immer recht handzahm. Ist da damals wirklich nicht mehr
passiert? Im Westen gab es immer die Krimi-Variante, dass jemand z.B.
aus der Polizeiwache flüchtet und dann in der Gesellschaft
untertaucht. Die Polizei hat dann nach ihm gefahndet, ihn aber (lange)
nicht gefunden. Hat es sowas eigentlich auch in der DDR gegeben, nicht
im TV, aber in Wirklichkeit? Wie hätte man es anstellen können?

Was ich mich noch fragte: Wenn ein Russe straffällig geworden wäre,
wäre das auch noch Aufgabe der Kripo gewesen - oder hätte er überstellt
werden müssen?
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Re: Untertauchen in der DDR?

Beitragvon chefchen » Fr 4. Okt 2013, 17:48

Es wurde den Bürgern heile Welt vorgespielt, in Zeitungen wurden ab und an Grenzverletzer veröffentlicht. Schwere Verbrechen passten eben nicht ins heile Bild der SED.

Aber es gab auch hier, wie überall, genauso schlimme Verbrechen wie überall auf der Welt. Ich errinne mich da z.B. an den Kreuzworträtsel-Mord.

Zum Thema untertauchen kann ich nichts sagen... aber sicher kommen hier noch mehr Postings

Liebe Grüsse
Jörg
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Re: Untertauchen in der DDR?

Beitragvon chefchen » Fr 4. Okt 2013, 17:55

ich glaube die Russen wurden von Militärgerichten zur Verantwortung gezogen und hart bestraft. Die "einfachen" Soldaten der Sowjetarmee waren doch nur arme Schweine und hatten in der DDR nichts zu lachen.

Soweit ich das beurteilen kann, ich war zur Wende 18 Jahre.

Wer es besser weiss, darf das hier ruhig loswerden.
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Re: Untertauchen in der DDR?

Beitragvon saalestrand46 » Sa 5. Okt 2013, 11:40

hauman hat geschrieben:Hallo, ich bin ein Wessi, 60 Jahre alt, kenne also die DDR noch aus
eigener Anschauung, wenngleich ich das meiste doch nur oberflächlich
mitbekommen habe. Was ich mich immer gefragt habe: Hätte es eigentlich
in der DDR die Chance gegeben, "unterzutauchen".



Was ich mich noch fragte: Wenn ein Russe straffällig geworden wäre,
wäre das auch noch Aufgabe der Kripo gewesen - oder hätte er überstellt
werden müssen?


Untertauchen in der DDR konnte man nur für eine kurze Zeit, über kurz oder lang wurde der Untergetauchte aber gefunden. Über die Westgrenze abhauen ging nicht und an den Ostgrenzen hing das Fahndungsfoto mit Steckbrief.
Ein straffälliger Soldat mußte immer an die Sowjetische Armee ausgeliefert werden. Ab Kasernentor war dann für die DDR Polizei verbotene Zone.
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Re: Untertauchen in der DDR?

Beitragvon saalestrand46 » Sa 5. Okt 2013, 11:49

chefchen hat geschrieben:ich glaube die Russen wurden von Militärgerichten zur Verantwortung gezogen und hart bestraft. Die "einfachen" Soldaten der Sowjetarmee waren doch nur arme Schweine und hatten in der DDR nichts zu lachen.

Soweit ich das beurteilen kann, ich war zur Wende 18 Jahre.

Wer es besser weiss, darf das hier ruhig loswerden.

Bestrafungen erfolgten immer durch sowj.Militärgerichte.
Bei einer Bestrafung von Soldaten und Offizieren wurde kein Unterschied gemacht. Ich habe in meiner Stadt einige Straftaten , auch Morde, von Militärangehörigen erlebt.
Ich habe auch gesehen wie ein Offizier halbtot geprügelt wurde und nach dieser Behandlung wie ein Kartoffelsack auf den LKW geschmissen wurde.
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Re: Untertauchen in der DDR?

Beitragvon Freddie » Sa 5. Okt 2013, 17:54

hauman hat geschrieben:...Hätte es eigentlich
in der DDR die Chance gegeben, "unterzutauchen".

Ich denke ein Untertauchen war eher nicht möglich! Denn das System leitete die Menschen ganz bewusst. Ob das gut war oder nicht muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich will damit sagen, die Bürger wurden so erzogen um selbst für Recht und Ordnung einzustehen und man musste damit rechnen das im großen und ganzen nichts unbeobachtet blieb.
Tja, darüber lässt sich allerdings auch streiten, aber bekanntlich hat die Medaille zwei Seiten. Es gab dadurch auch einen sehr großen Schutz durch aufmerksame Bürger.
Stichwort ---> Zivilcourage! Bild

hauman hat geschrieben:Was ich mich noch fragte: Wenn ein Russe straffällig geworden wäre,
wäre das auch noch Aufgabe der Kripo gewesen - oder hätte er überstellt
werden müssen?

Ein Russe der straffällig geworden ist hatte mit den DDR Behörden nichts zu tun. Die wurden sofort nach Russland verband und von einem Militärgericht verurteilt. Genaueres kann ich dazu auch nicht sagen aber man hat die übelsten Dinge darüber gehört. Im warsten Sinne des Wortes waren sie wirklich arme Schweine. Bild
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Re: Untertauchen in der DDR?

Beitragvon dandelion2405 » Mo 21. Okt 2013, 19:58

Wie das bei den Russen abgelaufen ist, kannte man mehr oder weniger vom Dorfklatsch. Was aber auch ganz interessant war: wie war es bei der NVA, wenn ein Soldat stiften gegangen ist? Ich hab's live und in Farbe erlebt. Ich habe zu DDR-Zeiten auf einem Bahnhof als Fahrdienstleiter gearbeitet, auf dem Truppentransporte der NVA zusammengestellt wurden. Natürlich alles streng geheim und wir Eisenbahner wurden von mindestens 2 Transportpolizisten bewacht.
Bei so einem Transport habe ich dann erlebt, wie ein Soldat abgehauen ist. Was danach für eine Lawine losgetreten wurde, vermag man sich kaum vorzustellen.
Ganze Hundertschaften der Bereitschaftspolizei wurden mobil gemacht, sofort eine landesweite Fahndung über die damaligen Kommunikationsmittel (Dispatcher-Wechselsprechanlage, Zugfunk, Bahn-Fernsprechnetz usw.) eingeleitet. Man hat überall nur Blaulicht gesehen, es war wie im Action-Film. Nach 4 Stunden, morgens um 4.00 Uhr, hatten sie ihn dann geschnappt. Dass er den Truppentransport nicht mitgemacht hat, versteht sich von selbst. Man hat aber auch nie wieder etwas von ihm gehört....... Diese Nachtschicht ist mir besonders in Erinnerung geblieben. 8 Wochen später habe ich übrigens meinen Einberufungsbefehl zum Grundwehrdienst erhalten. Glücklicherweise brauchte ich aber nicht zur Armee, weil zu der Zeit die Fahrdienstleiter bei der Bahn sehr knapp waren, aber zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und Landesverteidigung dringend gebraucht wurden, denn ohne Fdl fährt die Bahn nicht. Ich habe meinen Wehrdienst sozusagen auf dem Stellwerk geleistet.
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Re: Untertauchen in der DDR?

Beitragvon Remmel » Sa 9. Nov 2013, 17:19

Meine Schule hatte eine Patenschaft mit einer sowjetischen Einheit. Die Kaserne war in 15 Minuten zu erreichen. Wenn wir sie schriftlich einluden, ging die Post erst über Moskau. Mal waren wir mit einer größeren Gruppe in der Kaserne, mal kamen sie zu uns in die Schule, dann aber meist Offiziere mit ihren Frauen. Die Treffen waren immer sehr lustig, feucht und unbeschwert. Niemals gab es irgendein Problem.
Eigentlich weiß jeder DDRler, dass bei uns die Kriminalität wesentlich geringer war als im Goldenen Westen. Ich habe in etwa 40 Jahren DDR nie ein Verbrechen in meiner Umwelt erlebt. Ich fand es richtig, dass man, sollte irgendwo in der Republik eins geschehen sein, bewußt keinen großen Rummel veranstaltete.

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