Kann man in einem Museum leben? - Meine neue Küche!

Haus & Garten

Kann man in einem Museum leben? - Meine neue Küche!

Beitragvon Grimnir » Di 30. Aug 2016, 10:18

Vor den Bildern etwas Text..

OK, einige wissen das ich u.a. in meinem kleinen Landhaus schon so einige Erfahrungen gesammelt habe mit dem kompletten Nachstellen bestimmter Zeitepochen, aber geht das auch im täglichen Umfeld? Also so richtig benutzbar etc,?! Am Beispiel meiner neuen Küche die ich hier mal vorstelle, bin vor einiger Zeit umgezogen und konnte so alles neu gestalten, möchte ich dieser Frage einmal nachgehen. Mich hat es selbst interessiert in wiefern das heutzutage überhaupt noch möglich ist. Mich interessieren von jeher vergangene Zeitepochen und das nahezu perfekte Abtauchen in die Vergangenheit und eine dieser Zeitepochen ist eben jene DDR-Epoche wie ich sie als Kind erlebte und schon damals vom Einrichtungsgeschmack her als wunderschön, interessant und faszinierend empfand. Ich rede dabei von der Atmosphäre die damals bei alten Leuten in den Wohnungen war (z.B. meiner Oma) und eine heute unerreichte Gemütlichkeit vorherrschte. Sie hatte damals bspw. nicht mal Wasser in der Küche, sondern mußte es noch in den 80ern vom Flur holen. Gestört hat sie es nicht, man war eben bescheidener. Doch wie ist soetwas heute im täglichen Leben umsetzbar? Vielleicht gibt es ja mehr Verrückte wie mich und denen möchte ich Mut machen es anzugehen :D

Prinzipiell ist alles umsetzbar, allerdings mit Einschränkungen!

Problemstellung Komfort!
Ein paar Dinge die für mich unerlässlich sind habe ich versucht unauffällig zu integrieren. Das sind hochwertige Töpfe und beschichtete Pfannen, die neben altem Originalkochgeschirr doch häufiger benutzt werden von mir .. Daneben gibt es einen modernen Wasserkocher und auch einen modernen Kühlwürfel, obwohl natürlich der alte Kristall 140 noch funktioniert!! Mein E-Herd vom VEB Elektrowärme Sörnewitz funktioniert natürlich auch, zum täglichen Gebrauch steht unter dem Küchentisch allerdings ein mobiler Backofen mit Kochplatten und der reicht für mich. Auch die Heizung ist modernen Ursprungs und der Küchenkohleherd ist leider nur Deko und nicht angeschlossen! Das zeigt aber auch das einv solches Projekt nur dann klappt wenn man alleine lebt und sich so ausbreiten kann. Ich glaube meine Freundin würde nur sehr ungern das dauerhaft mitmachen, aber ich habe sowieso beschlossen mich in meiner Wohnung alleine auszutoben, für alles andere bin ich überhaupt nicht kompromissbereit und werde es auch in Zukunft nicht!

Problem Technik!
Die Elektrogeräte die ich aus aten Zeiten habe werden bestimmt hundert Jahre alt, da mach ich mir keine Sorgen, komplizierter wird es mit der Installation! Dort hatte ich erst vor mich mit Manufaktumware einzudecken, habe dann aber über Ebay originale DDR-Schukosteckdosen und Schalter aus den 50ern entdeckt, die einfach unverwüstlich sind. Allgemein ist Ebay -DER- Anbieter für ein solches Projekt und ohne diese Plattform wäre es schlicht unmöglich soetwas heutzutage alles zusammenzutragen!

Die Tapete ist original und aus den frühen 70ern vermutlich, die alten Tapetenleisten sind auch original (50er, 60er Jahre), die blaue Farbe ist eine Wiederherstellung aus einem freigelegten Farbrest während der Sanierung. Blau hatte man bis in die 70er Jahre gerne Küchen und Ställe gestrichen weil man glaubte das diese Farbe Fliegen vertreiben würde, was natürlich Unsinn ist! Später hat man die Küche dann grün gestrichen (neben dem Schuhputzschränkchen habe ich eine kleine Stelle freigelegt und erhalten), ich entschied mich aber natürlich für das originale Blau :D

Das Fenster ist ein aufgearbeitetes Doppelfenster aus der Gründerzeit, daß Plastefenster musste leider verschwinden. ;) Ein passendes altes Holzfenster zu bekommen ist wie eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen und gelang erst etwa zwei Wochen vor Abschluß der Bauarbeiten durch viel, viel Glück!!! Die tischlermäßige Aufarbeitung und der Einbau war dann auch teurer als ein neues Plastefenster mit Isolierglas! Im übrigen als Tipp, bei Eigentumswohnungen immer vorher nachfragen das es keine Schwierigkeiten mit den anderen Eigentümern im Nachhinein gibt wegen der Fassadengestaltung, ist wirklich ultrawichtig!!!

Die Küche selbst ist von 1953, sie ist komplett und vom VEB Eschebach Radeberg. Siehe: http://www.dresdner-stadtteile.de/Nordw ... werke.html

Die Spüle ist ein DDR-Produkt aus den 80ern und ein Muss wie ich finde! Nur Kaltwasser im gusseisernen Becken und Waschschüsseln wären mir doch nix.. Alles alles original DDR und auch der Wasserhahn ist neuwertig. Ich glaube damit kann man leben. Das "Mühli"-Spülmittel vom VEB Seifama Magdeburg in der gelben Plasteflasche eignet sich übrigens hervorragend zum dauerhaften Benutzen, da sich jedes neue Spülmittel problemlos in die Flasche füllen lässt. Was sonst noch zu sagen wäre, daß Linoleum ist ein total glücklicher Zufallsfund, ist neuwertig und stammt aus den 70ern.

Letztlich habe ich versucht einen überschaubaren und authentischen Rahmen zu bieten und nichts zuzustellen mit Massen an Produkten aus alten Zeiten. Dazu gehören aber auch einige Vorkriegsteile wie sie damals noch oft in Benutzung waren, wie z.B. Bügeleisen oder einige Dekoartikel.

Die Restaurierung bzw. der Rückbau einer Modernisierung ist wesentlich aufwendiger und kostenintensiver als eine Modernisierung! Die Eschebach-Küche hat zwar nur etwa 50 Euro bei Ebay gekostet was für eine komplette alte Küche ein Superschnäppchen war, aber das was dazugehört erfordert sehr viel Geduld bei der Suche, Sammelleidenschaft und auch teilweise nicht wenig Geld. Doch selbst meine Freundin fühlt sich hier mittlerweile wohl, obwohl es überhaupt nicht ihre Kultur ist, da sie aus der Türkei kommt.

Ich hoffe ich habe mit dem Beitrag nicht gelangweilt?! :D

Gruß in die Republik..
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Re: Kann man in einem Museum leben? - Meine neue Küche!

Beitragvon dedeerka » Sa 11. Nov 2017, 14:27

Woow, super Bilder! Die Zeitgeist ist aufbewahrt.
In Russand jedes zweite Haus sieht so aus))
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dedeerka
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