Wir Sonnenkinder

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harry82
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Wir Sonnenkinder

Beitrag von harry82 » 29.08.2018, 18:11

Presse_Sonnenkinder

Pressemitteilung

WIR SONNENKINDER
Harry Popow

Unter dem Titel „WIR SONNENKINDER“ veröffentlichte der Diplom-Journalist und Blogger Harry Popow im Eigenverlag epubli, Erscheinungsdatum … , seine in der DDR als Militärjournalist authentischen Lebensdaten sowie seine Erlebnisse und Erfahrungen während eines neunjährigen Aufenthaltes in Schweden (1996 – 2005) als auch nach der Rückkehr nach Deutschland.

Der Titel, so das Anliegen des Autors, möge vor allem an jene Generation erinnern, die nach der Befreiung vom Faschismus mit viel Mühe aus den Trümmern an materiellen Werten und denen in den Köpfen versucht haben, zunächst mit viel gutem Erfolg, einen neuen Staat zu errichten, dem als Wichtigstes nicht nur die Entmachtung der einst herrschenden Geldeliten, die Beerdigung sämtlicher Kriegsgelüste als geschichtliche Notwendigkeit oblag, sondern vor allem dem friedlichen Aufbau sowie dem militärischen Schutz der DDR.

Was treibt einen DDR-Bürger dazu – der den Krieg noch als Kind hat erleben müssen und der sich voller Überzeugung im DDR-Alltag einbrachte und die sogenannte Wende trotz einiger Beulen heil überstand – mit seiner Frau in die Stille der schwedischen Wälder abzuhauen?
Es sind Tagebuchnotizen eines inzwischen über Siebzigjährigen. Es umfasst die Zeit von 1944 bis 2005. Die Notizen sind sporadisch entstanden und skizzieren bestimmte persönliche und geschichtliche Erlebnisse und Erinnerungen.
In der Stille einer kleinen Siedlung mitten im Wald und im eigenen Holzhaus wühlt und kramt er in alten Aufzeichnungen, in Briefen und Erinnerungen, sammelt und hält fest, was ihn am großen Vorhaben fesselte, ein gänzlich anderes und neues Deutschland aufzubauen.

Angesichts des gesellschaftlichen und staatlichen Absturzes blickt der damalige Militärjournalist und Oberstleutnant zurück in die Anfangsjahre der DDR, in die Kindheit mit seiner liebevoll sorgenden russischen Mutter, die 1935 zu ihrem Ehemann nach Berlin übergesiedelt war. Episoden in Pommern, wohin auch die Ziebells (der Name des Vaters) evakuiert worden waren, wechseln mit Erinnerungsbildern des Krieges und der Befreiung in Berlin.
Das Buch mit seinen 464 Seiten teilt der Autor in vier Teile: Das persönliche Erleben vor und nach 1945, die im Westwind untergehende DDR, der vorläufige Aufenthalt in Schweden, die Rückkehr nach neun Jahren sowie nach wie vor persönlich glückliche Jahre am Rande Berlins, wobei die Beschäftigung als Blogger und Autor für Harry Popow die innere Befriedigung gibt, nicht ganz tatenlos der politischen Verdummung und Orientierungslosigkeit entgegentreten zu können.

„WIR SONNENKINDER“ ist gleichzeitig ein nach 56 Ehejahren sehr authentischer Liebesroman zwischen seiner Frau Cleo und ihm, dem Autor und Träumer von einer anderen und menschlicheren Welt.

Harry Popow: „WIR SONNENKINDER. AUTHENTISCHE LEBENSBILDR“, © Copyright by Harry Popow, Verlag: epubli, Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin, ISBN: , Seiten: ..., Preis: Euro


Leseproben

Es ist einer jener Tage im frühlingshaften März, von denen man sich wünscht, sie mögen andauern, in diesem Zustand der heiteren Gelassenheit, so würzig die Luft, so schwerelos die menschliche Seele, so eins kann sie sein mit der Natur, so ausgeglichen und glücklich darf man sich fühlen. Da sitzt er nun, ein in die Jahre gekommener grauhaariger Mann, auf der Terrasse am kleinen schwedischen Holzhäuschen, über ihm der unendlich kobaltblaue Himmel. Weiße Schwäne ziehen in langer Kette mit gleichmäßigem Flügelschlag zu den stillen Seen in den weiten nordischen Wäldern. Noch sind die Baumäste kahl, doch dicht am Haus haben sich bereits Schneeglöckchen und Krokusse eingefunden, verpackt in einem Erdboden, der des Nachts noch in Eiseskälte erstarren wird. In den Niederungen liegen die Sümpfe noch unter brüchigem Eis. Irgendwo bellt ein Hund, eine Kreissäge kreischt. Der Träumer in ihm ist nicht totzukriegen.

Plötzlich ein Beben, dann ein Grollen, ein Donner, der über die Wälder kommt. Das Eis des Orrefors-Sees bricht auf mit lautem Getöse, gleich starken Explosionen. Diese Geräusche – da sind sie wieder, die Bilder von einst, sie drängen sich mitunter hinter seine Stirn: Er jagt als Ausbilder junge Männer über das Übungsfeld. Jahre danach greift er zum Kugelschreiber und schreibt über jene, wie sie sich plagen, wie sie das Notwendige meistern lernen. Ja, er hat als Offizier und Militärjournalist in der Nationalen Volksarmee zweiunddreißg Jahre mitgewirkt an einer Alternative zum Krieg, an einem Entwurf für ein großartiges Gesellschaftsgemälde. Darauf ist der einstige Oberstleutnant stolz. Nicht aber darauf, daß man im kleinen Land mit der Zeit vieles vermasselt hatte. Eine ganze geschichtliche Periode, ein Startversuch in ein menschenwürdigeres Dasein ist durch Unvermögen abgestürzt. Auf absehbare Zeit unwiderruflich. Verspielte Chancen! Und was dann kam ...

Nun aber aalt er sich in der Vormittagsstunde auf der Sonnenbank, freut sich darauf, mit Cleo, seiner Frau, auch heute wieder kilometerweit zu wandern, hin und wieder zu schreiben an seinen Tagebuchnotizen oder zu malen. An wärmeren Tagen wird er seine Staffelei in den Garten stellen, Farben und Pinsel bereit legen. Ja, er hat wieder Lust, seinem späten Hobby nachzugehen. Ihm schwebt ein Ölgemälde vor, mit roten Rosen, Tulpen, Dahlien, Gladiolen, Kapuzinerkresse. Er sieht sie schon vor sich, die sommerlichen Farbtupfer im Garten, und mittendrin das schwedische Holzhaus. Ja, das will er malen ...

Das kleine Schwedenhaus

Es ist bei weitem kein repräsentatives Traumhaus, in dem Cleo und Harry seit 1996 leben, eher ein bescheidenes, aber sehr schmuckes kleines Holzhäusel mit vier Zimmern. Ausreichend für sie, ihre tollen Kinder und Enkel, die, so oft es geht, gern zu Besuch kommen. Das Grundstück umfaßt einen 900 Quadratmeter großen Garten, bewachsen mit riesigen Haselnußhecken, drei imposanten Wacholdern und einer gewaltigen, etwas altersschwachen Birke. Das Haus hat – ganz schwedentypisch - zwei Eingänge, um in strengen Wintern bei Schneeverwehungen zwei Notausgänge zu haben. Im Wohnzimmer steht ein antiker weißer Porzellankachelofen, der bis zur Decke reicht. Dieser ist auch als Kamin nutzbar. Geheizt wird nur mit Holz, das es ja in Schweden zur Genüge gibt. Ein Durchgang führt zum Esszimmer. Vom runden Tisch aus hat man nach allen Seiten einen herrlichen Blick in den am Grundstück angrenzenden Wald. Steigt man die Holztreppe hinauf, findet man zwei Zimmer mit schrägen Wänden, das Schlafzimmer in Hellblau mit weißen antiken schwedischen Möbeln, das Gästezimmer ganz in Rosé. Ein Schmuckstück auch das voll geflieste Bad mit Holzdecke und romantischen Badraummöbeln im gleichen Dekor. Außergewöhnlich schön ist die Herbstzeit. Dann liegt oft ein wenig Schwermut über dem stillen Ort Gadderos (im Glasreich Smaland gelegen) mit seinen roten, gelben oder braun-weißen Holzhäusern. Am frühen Nachmittag kriecht langsam aus den Wäldern die Dunkelheit hervor und hinter den Fenstern leuchten die Schwibbögen.

Erich, der Berliner

Harry hat seine moralischen Prügel weg und sortiert weiter alte Papiere. Da sind zum Beispiel Fotos und ein Lebenslauf von Vater Erich Ziebell. „Es ist schon so“, denkt Sohn Harry, „niemand stirbt wirklich, solange er noch in den Erinnerungen der Nachfahren lebt.“ Die Vorfahren seiner Eltern, so hieß es, waren auf den Ruf Friedrich Wilhelms (von Brandenburg) als Hugenotten aus Frankreich nach Berlin gekommen vor zig Jahrzehnten. Fleißige, strebsame und grundehrliche Leute, wie man sagt. Erich war der älteste von drei Brüdern. Er soll frech wie Rotz gewesen sein und ein Frauenschwarm. Kletterte als Junge auf die Straßenbäume und warf Unrat von oben auf den Gehweg. Später ging er in die Schlosserlehre, ein Handwerk musste es sein, wie das des Vaters, der Maurer gelernt hatte. Im Abendstudium holte er sich das Rüstzeug für einen Abschluss als Ingenieur. Erich liebte die Musik, besonders das Schlagzeug hatte es ihm angetan. So hatte er das Glück, in den 20er Jahren als Schlagzeuger in der legendären Stresemann-Kapelle zu spielen, die für den Filmklassiker „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich engagiert wurde. Harry besitzt noch heute Originalfotos von den Dreharbeiten. Während der Zeit der großen Arbeitslosigkeit trieb es Erich in die USA. Er arbeitete u.a. als Tellerwäscher, verlief sich im kanadischen Urwald und vernahm durch die Zeitung, so ist zu vermuten, den Ruf der Sowjetunion nach Ingenieuren, nach denen der Bedarf groß war. Er folgte ihm und so lernte er in einer Fabrik (Arga-Metall) in Moskau die technische Zeichnerin Tamara Orlowa kennen und lieben. Nach einer leidenschaftlichen Romanze folgte sie ihm nach Deutschland, ohne zu ahnen, dass eben dort für ihre Heimat bereits das Leichentuch gewoben wurde.


Tamara, die Moskauerin

Tamara. Mit Entdeckerfreude durchstöbert der älteste Sohn Harry, denn er hat noch Geschwister, die Sophia, den Alexander und den Arno, die Tagebuchaufzeichnungen seiner längst verstorbenen Mutter. Sie war damit nie hausieren gegangen. Umso mehr erzählte sie ihren Kindern von Moskau, von ihren Eltern, die sie niemals wieder sehen sollte, weil sie im Krieg vor Hunger umgekommen waren. Unglaublich also, dass ihr Sohn diese schriftlichen Erinnerungen erst jetzt, nach 66 Jahren, zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Schnee von gestern? Und wieder die Frage: Wegwerfen oder aufheben? Und wenn, für wen? Aber er weiß: Es gibt wohl kaum etwas Interessanteres als das Leben eines Menschen, die Beweggründe für sein Tun, seine Sehnsucht nach der Liebe, der heiteren, der schwerelosen ... Welche Gedanken bergen sie, die bislang für ihn unbekannten Notizen einer achtzehnjährigen jungen Dame aus dem Moskau der Jahre1932/33? Er möchte gerne mehr wissen über die Hingabe der Mutter zur Natur, zur Literatur, zur Musik, zu allem Schönen. Und wie die intelligente und wunderschöne Tochter eines Fabrikdirektors, sein einziges Kind, nahezu Hals über Kopf die Wärme ihres Zuhauses verließ und ihrem Mann nach Deutschland folgte, in das faschistische zumal? Wird sie ihren Mädchenträumen folgen können? Welche Freuden wird sie haben, wie den Enttäuschungen begegnen? Schon nach dem Lesen weniger Zeilen wird erkennbar: Ihre ruhelos suchende Seele entwirft für sich ein Bild der Träume und Visionen – ein „Gemälde“, ein Lebensentwurf und man spürt, ihre Erwartungen sind hoch, und gleichzeitig so menschlich und bescheiden – doch sie wird niemals richtig ankommen ...

Der Vortragssünder

Mai 89 – es ist das passiert, was Harry bei weitem nicht ahnen konnte bei seinen Vorträgen im „Haus der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft“. Eines Morgens ein Telefonanruf aus dem Stellvertreterbüro des Fernsehchefs in der Beratergruppe. Die zwei vorgesetzten Offiziere und Harry sollen sofort „antanzen“. Fast schreit ihn der „Lange“, er ist groß und schlank, auch ein bißchen „Hallo-Jetzt-Komm-Ich-Typ“ an, was ihm einfiele, sich politisch zwischen zwei Stühle zu setzen. „Gar nichts, ich stehe dazu und ich traue mir es auch zu“, antwortet Harry, er ist die Ruhe selbst. Was war passiert? Vor etwa einem Jahr hatte der Öffentlichkeitsmann vom „Haus der DSF“ – wie bereits angedeutet - Harry als Mitarbeiter des Fernsehens gebeten, einen Vortrag zum Thema „Die Medien im Klassenkampf“ zu halten, aus spezieller Sicht des Fernsehens. Henrys Name auf großen Plakaten. Etwas „Unerlaubtes“ getan zu haben, ist ihm überhaupt nicht bewußt, allerdings peinlich ist es ihm, als Mitarbeiter des Fernsehens bezeichnet zu werden, zumal er noch lange nicht drin steckt in der Materie. 1988 war also alles gut gegangen, dieses Jahr aber – Harry sollte in wenigen Tagen ein weiteres Mal zu diesem Thema sprechen - fällt das in der ganzen Stadt ausgehängte Plakat irgend jemanden auf. Prompt wird das der Fernsehführung gemeldet. „Wer ist denn dieser Orlow?“ Natürlich hat man den „Übeltäter“ schnell gefunden – und nun ist er Mode. Der Stellvertreter wettert: In dieser hochbrisanten politischen Situation hätte sich das kein Mitarbeiter des Fernsehens getraut, so einen Vortrag zu halten in aller Öffentlichkeit. Der wunde Punkt dabei: Hier DDR-Sicht, dort Perestroika! Da gerate man unweigerlich zwischen die Fronten, so der Vorwurf Harry gegenüber. Wenn da nun welche vom ZDF gesessen hätten, „was hättest du wohl auf deren Fragen antworten wollen?“ Die Angst, die Angst – da ist sie wieder. Vor wem? Harry entgegnet, er hätte das durchgestanden, na und? Die „Oberen“ schütteln nahezu entsetzt den Kopf. Aber ihr Entschluß steht fest: Dieser Vortrag findet nicht statt! Harry muß eine Woche krank spielen, sich bei den Veranstaltern telefonisch entschuldigen und krank melden. Unglaublich für Harry, sich ungewollt eine Woche auf Staatskosten erholen zu müssen.


Spießrutenlauf

Dieses Jahr 1989 scheint es in sich zu haben. Es ist September geworden. Die Lage spitzt sich für alle sichtbar zu. Volle Urlaubszüge nach Ungarn – leere zurück! Während für das nächste Parteilehrjahr die Broschüren mit dem Thema „Die führende Rolle der SED“ schon bereit liegen, haut das Volk der DDR ab. Harry und Cleo auf dem Bahnhof Lichtenberg. Der Zug übervoll. Familien, kleine Kinder, Babys. Sie verabschieden ihre beiden Töchter. Harry in der vollen Gewißheit: Unsere kommen zurück! Was Cleo bereits weiß, trifft ihn wie einen Fausthieb. Die Kinder werden bleiben, ganz sicher Patricia und ihr Partner. Er habe Schwierigkeiten mit seiner Druckerei bekommen, keine Druckgenehmigungen mehr, Aufkündigung der Arbeitsräume durch die staatlichen Behörden. Die Tochter hat sich – unter Tränen – entschlossen mit ihm zu gehen – aus Liebe! Es bleibt Harry nichts weiter übrig, als das Vorkommnis zu melden.

Der Anfang vom Ende...

Berühmt-berüchtigter 9. November 1989. Abends im Wohnzimmer. Harry sitzt mit Lutz, seinem Halbbruder, auf dem Sofa. Sie reden über Gott und die Welt, vor allem über das gegenwärtige Durcheinander in der Politik, über Reformbemühungen. Dann die abendlichen Meldungen. Die wollen sie nicht versäumen. Mal sehen, was es Neues gibt. Plötzlich Politbüromitglied Schabowski über die Möglichkeit, ab sofort die Grenze passieren zu können. Ohne besondere Genehmigung. Was? Haben wir das Gestammel richtig verstanden? Den beiden und Cleo, die in der Küche mitgehört hat, bleibt die Luft weg. So schnell und mit einem Mal? Ist das noch kluge und weitsichtige Politik? Ist das nicht ein Beschluß aus Notwehr? Zeigt der nicht die innere Zerrissenheit der Führung? Ganz im Inneren sagt sich Harry, tatsächlich, Krenz macht eine neue Politik fürs Volk. Positives und irrational es Denken im Sekundentakt. Aber er tröstet sich nur damit. Er ahnt nicht, was daraus folgen wird. Gemischte Gefühle - Freude und Schreck zugleich!
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