Spektakuläre Kriminalfälle in der DDR

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chefchen
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Spektakuläre Kriminalfälle in der DDR

Beitrag von chefchen » 12.03.2019, 14:27

Spektakuläre Kriminalfälle in der DDR

An welche erinnert ihr euch noch besonders?

Habt ihr Material über Fälle von damals?

Mir ist besonders der Kreuzworträtsel-Mord in Erinnerung.

Hier ein Doku-Bericht dazu:



Infos zu Fall sind bei Wikipedia nachzulesen

https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzwortr%C3%A4tselmord
Meine DDR-Rezepteseite mit über 7000 Rezepten ---> http://ddr-rezepte.net

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Dessauer
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Spektakuläre Kriminalfälle in der DDR

Beitrag von Dessauer » 01.04.2020, 16:54

Um mal im Bezirk Halle zu bleiben:


Vom wohl dreistesten Gelddiebstahl der DDR-Geschichte

Die Idee schien ihnen genial. Eine Gruppe von Schmelzern, Gießern und Hüttenwerkern sicherte sich im Sommer 1980 in Hettstedt Tausende Münzen aus dem Schmelzofen, vorbei an allen staatlichen Kontrollen. Doch schon nach wenigen Tagen flogen sie auf. Ein spektakulärer Fall, den die DDR-Behörden zum Staatsgeheimnis machten. Nun bricht der einstige Hettstedter Polizeichef Heinz Klockow sein Schweigen - nachdem ein Bericht in einer Münzsammler-Zeitschrift über das Geschehen erschienen ist.
Klockow kennt den Vorfall bis ins letzte Detail. Der heute 69-jährige Pensionär hat den wohl dreistesten Gelddiebstahl der DDR-Geschichte als Kripo-Ermittler aufgeklärt. Der Fall hat ihn bis heute nicht losgelassen.
Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als der Volkseigene Betrieb (VEB) Walzwerk Hettstedt, der zum Mansfeld-Kombinat gehört, von der Staatsbank der DDR einen delikaten Auftrag erhält. Der Betrieb soll über drei Jahre hinweg rund 400 Tonnen Münzen einschmelzen, um die darin enthaltenen Metalle zu gewinnen. Die DDR braucht Kupfer, Nickel und Zinn, das auf dem Weltmarkt teuer ist. Zudem lässt sich dadurch Kaufkraft abschöpfen, sagt Klockow zu den Hintergründen.
Es geht in jenem Sommer 1980 um Hartgeld, das als Zahlungsmittel dient. 10-Mark-Münzen mit Motiven der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald sowie 20-Mark-Münzen mit Konterfeis des ermordeten KPD-Führers Ernst Thälmann und von Wilhelm Pieck, dem ersten Präsidenten der DDR. Diese Münzen sind 1971 und 1972 millionenfach aus einer Kupfer-Nickel-Zinn-Legierung geprägt worden. Allerdings: Bei Thälmann fehlt die Mütze, mit der er sonst abgebildet ist - und das stört die SED-Ideologen.
Davon ahnen die Beschäftigten der Schwermetallschmelze in Hettstedt nichts, als Mitte Juli 1980 die ersten Jutebeutel mit jeweils 250 Münzen geliefert werden. Als sie sehen, dass in den Beuteln, die sie in den Ofen werfen sollen, richtiges Geld steckt, schmieden sie einen verwegenen Plan. Sie wollen die Münzen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Feuer holen. 15 Schmelzer, Gießer und Hüttenwerker sind dabei.
Sie wissen, dass in dem sogenannten Sekundärofen der Schmelzprozess in der Mitte schneller abläuft als an den Rändern. Diesen Umstand, der bei den staatlichen Stellen und in der Führungsspitze des Werkes offenbar nicht bekannt ist, machen sich die 15 Arbeiter zunutze.
Nach etwa anderthalb Stunden, als das extra eingesetzte Sicherheitspersonal der Staatsbank und der Wachschutz des Betriebs abgezogen sind, klauben sie die noch nicht geschmolzenen Münzen mit Ofenkellen und Handschuhen aus der Glut. Das klappt schon in den ersten Tagen so gut, dass die Diebe übermütig werden. „Und das wurde ihnen zum Verhängnis“, beschreibt Klockow im Rückblick. Er arbeitet damals bei der Deutschen Volkspolizei und wird mit dem Fall beauftragt. Und so weiß er genau, wie es dazu kam, dass die Freude der Diebe nur kurz währt.
Nach dem geglückten „Fischzug“ schicken die Schmelzer eine Putzfrau in einen Laden nach Großörner, um Schnaps zu holen. Sie wollen auf ihren Coup anstoßen, so wie es unter Mansfelder Hüttenleuten üblich ist. Wenig später beginnt im Speiseraum ein Besäufnis, bei dem sie im Rausch die Putzfrau nackt auf den Tischen tanzen lassen. Das geht allerdings nicht gerade geräuschlos über die Bühne, so dass der Betriebsschutz hellhörig wird und mit mehreren Leuten erscheint.
Noch in der Nacht wird der sturzbetrunkene Anführer der Gruppe in Untersuchungs-Haft gesteckt. Bei der Vernehmung am Morgen danach gesteht er alles, „und so sind wir den Münzdieben auf die Schliche gekommen“, berichtet Klockow. Dass der Mann eine Pistole besessen haben soll, wie es sich bis heute erzählt wird, verweist Klockow ins Reich der Fantasie. „Waffen haben wir bei ihm nicht gefunden.“
Es folgen Hausdurchsuchungen bei den Beteiligten, so auch in Wippra. Dort finden die Ermittler einen Lederhandschuh, der mit den gesuchten Münzen gefüllt ist. Anlauffarben, die auf vielen „schillern“, verraten, dass sie im Schmelzofen lagen. Am Ende werden 6.230 Mark beschlagnahmt. „Wie viel Geld damals wirklich verschwunden ist, das haben wir nie herausbekommen“, sagt Klockow.
Nach Unterlagen der DDR-Staatsbank sind allein in diesen drei Julitagen Münzen aus fast 3.000 Jutebeuteln in Hettstedt eingeschmolzen worden - rund 14 Tonnen Münzen mit einem Geldwert von mehr als zwölf Millionen DDR-Mark. In dem Beitrag der Sammler-Zeitschrift „Money Trend“ zu dem Münzraub von Hettstedt schätzt Autor Peter Reißig, dass bis 1983 etwa 21 Millionen Münzen in Hettstedt ins Feuer kamen.
Der Diebstahl am Schmelzofen wird von den Ermittlern akribisch rekonstruiert, mit Fotos dokumentiert und zu Papier gebracht. Dafür stellt die Staatsbank eine neue Charge zur Verfügung. Klockow muss die Dokumentation kurz darauf in Berlin vortragen. Danach werden die Sicherheitsvorkehrungen beim Einschmelzen von Münzen verschärft. Am 12. August 1980 schickt der stellvertretende Minister des Innern, Rudolf Riss, ein Schreiben an den Präsidenten der Staatsbank, Horst Kaminsky. Darin fordert er ihn auf, „Maßnahmen zu veranlassen, die eine Entwendung von Zahlungsmitteln der DDR im Rahmen der Vernichtung künftig ausschließen“.
Und die Diebe kommen auch nicht ungeschoren davon. Sie erhalten zumeist Bewährungsstrafen. Der Anführer, ein Schmelzer aus dem Stadtteil Altdorf, muss ins Gefängnis. Klockow: „Ihr Coup wäre wohl nie aufgeflogen, wenn sie nicht übermütig geworden wären und dicht gehalten hätten“.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung
Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann.
Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht...

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Re: Spektakuläre Kriminalfälle in der DDR

Beitrag von exenter » 06.04.2020, 07:06

Spektakel bedeutet soviel wie Aufsehenderregendes und damit soll wohl die Bevölkerung gemeint sein. Nur bezieht sich das meistens auf das Umfeld des Täters. Denn DDR- weit wurde damals nicht viel bekannt. Selbst über den Bahnunfall bei dem ein Zug mit einem Tankwagen zusammen stieß (.meines Wissens im Bezirk Magdeburg) und es viele Tote gab, wurde kaum berichtet.
Ich selbst habe viele Kriminalfälle bearbeitet und zwar im Raum und Stadt Jena, Stadtroda, Berlin Mitte und Berlin Prenzlauer Berg. Was ist schon spektakulär dabei gewesen? Eigentlich Nichts. Aber nahezu alle Fälle waren mit Leid Und Kummer für die am Rand Beteiligten behaftet. Die tatsächliche Arbeit am Fall ist eben nicht wie ein Fernsehkrimi, sondern unmittelbar mit Tod und Elend verbunden. Daraus kann ich nun kein Spektakel ableiten.
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Kein Gedanke ist so gut, dass er nicht auch von mir sein könnte.

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Re: Spektakuläre Kriminalfälle in der DDR

Beitrag von Freddie » 06.04.2020, 12:28

Ich denke, das es hier um Fälle geht die nicht so an die große Glocke gehangen wurden. Denn wie bekannt sollte das Bild des Sozialismus so weit wie möglich von Unrecht, Kriminalität, Verbrechen und Gewalt sauber bleiben.
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